Die Koordination des FTCN-Berlins haben wir im Dezember 2024 an die neu eingerichtete Koordinierungsstelle übergeben. Sie ist bei La Vida gGmbH angesiedelt und wird von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege gefördert. Die operative Koordination des Netzwerks erfolgt durch La Vida gGmbH in enger Abstimmung mit der Steuerungsgruppe.
Kontakt: koordination@ftcn.berlin
Was ist das FTC-Netzwerk Berlin?
Das Fast Track City Netzwerk Berlin (FTCN-Berlin) ist ein Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Organisationen, Einrichtungen, Institutionen und Einzelpersonen, die sich in der strukturellen Prävention von HIV, Aids, Tuberkulose, Hepatitis C und anderer Public Health-relevanter sexuell übertragbarer Infektionen und der damit verbundenen Stigmatisierung und Diskriminierung engagieren.
Wir orientieren uns an der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung von 1986 und dem Lebensweisen-Konzept der Weltgesundheitsorganisation WHO, das ihr zugrunde liegt, sowie an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDG 3) und an der Arbeit der internationalen Fast Track Cities Initiative, einem Städte-Netzwerk, dem Berlin als erste deutsche Stadt im Jahr 2016 beigetreten ist. Die internationale Fast Track Cities Initiative hat das Ziel, Aids in den Metropolen bis zum Jahr 2030 zu beenden.
Wir wollen individuelle Gesundheitskompetenzen stärken und gesellschaftliche Verhältnisse beeinflussen. Dabei wollen wir Communities beteiligen und empowern sowie die Präventionsebenen von Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention miteinander verschränken. Gesundheit soll lebensweltnah gefördert werden. Die strukturelle Prävention nimmt das Verhalten Einzelner ebenso in den Blick wie die Verhältnisse, in denen sie leben. Denn was ein Mensch für die eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer tun kann, tun will und schließlich tatsächlich umsetzt, hängt von individuellen Faktoren ab, sowie wesentlich vom eigenen Umfeld und den gesellschaftlichen Strukturen. Diskriminierung und Ausgrenzung und/oder Kriminalisierung behindern bzw. verhindern gesundheitsförderliches Verhalten. Deshalb setzen wir dort an, wo die strukturellen und sozialen Verhältnisse Menschen daran hindern, ihre Rechte – auch das Recht auf Gesundheit – wahrzunehmen.
Zweck des Berliner Netzwerks ist der gegenseitige Austausch von Informationen und Erfahrungen, die Entwicklung von Strategien für eine optimale Zusammenarbeit und eine aktive Mitgestaltung gesundheitspolitischer Entscheidungen.
Die Zusammenarbeit der Mitglieder im FTCN-Berlin erfolgt gleichberechtigt, auf Augenhöhe, wertschätzend und im gegenseitigen Respekt. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und getragen.
Hier finden Sie das Leitbild des Fast-Track-City-Netzwerk Berlins
- HIV verhindern;
- Aids und Tuberkulose beenden;
- Hepatitis C eliminieren;
- Stigmatisierung und Diskriminierung bekämpfen.
Fast Track Cities Initiative to End Aids
Was ist die FTCI?
Die „Fast-Track Cities Initiative to End Aids“ ist eine Initiative, die von UNAIDS/WHO am Weltaidstag 2014 in Paris gegründet wurde. Berlin trat 2016 als erste deutsche Stadt dieser Initiative bei. Ziel dieses internationalen Städte-Netzwerks, dem mittlerweile über 300 Metropolen angehören, ist es, Aids weltweit bis 2030 zu besiegen.
Dafür wurden zunächst folgende Meilensteine definiert:
• 95 Prozent der HIV-Infizierten wissen von ihrer Infektion
• 95 Prozent davon haben Zugang zur Behandlung
• und bei 95 Prozent der Behandelten ist das Virus „unter der Nachweisgrenze“
• Null Diskriminierung von Menschen mit HIV
Aktuell schätzt das RKI, dass in Berlin 92% der Infizierten von ihrer Infektion wissen, 98% davon Zugang zur Behandlung haben und dass das HI-Virus bei 96% der Menschen, die unter Behandlung stehen, nicht mehr nachweisbar ist.
Das vierte, schwer messbare Ziel „Null Diskriminierung“ wird oft vernachlässigt, obwohl der Abbau von HIV-bezogener Stigmatisierung und Diskriminierung als wichtige Voraussetzung auf dem Weg zu einer aidsfreien Welt gesehen wird. Denn Diskriminierung verhindert den Zugang von Menschen zu Information, zur Prävention, zu Behandlung und Unterstützung bei einer HIV-Infektion. Die Angst vor Stigmatisierung und Diskriminierung kann Menschen davon abhalten, sich testen zu lassen, ihren Status offenzulegen oder HIV-bezogene Dienste in Anspruch zu nehmen. Zudem schaden Stigma und Diskriminierung dem Wohlbefinden von Menschen und ihrer Gesundheit.
Die Netzwerkstelle im Rahmen der FTCI
Aus diesen wichtigen Gründen engagiert sich die Netzwerkstelle seit Beginn des Berliner Fast-Track-City-Prozesses für den Abbau HIV-bezogener Stigmatisierung. Hierzu organisierte sie u. a. zwei Planungsworkshops mit den wichtigsten Berliner Akteuren aus dem Handlungsfeld HIV/AIDS, in denen träger übergreifend Handlungsfelder und Ziele für den Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung erarbeitet wurden.
Dem Berliner FTC-Summit 2021 folgend, wurde Anfang 2022 das „Fast-Track-City Netzwerk Berlin“ (FTC-NW) gegründet, um gemeinsam noch stärker für das Erreichen der FTC-Ziele zu kämpfen. Diesem Zusammenschluss gehören mittlerweile 84 Vertreter:innen aus fast 40 Projekten, Einrichtungen und Behörden an. Hierzu gehören zum Beispiel: Berliner Aidshilfe; Bundesministerium für Gesundheit; Checkpoint BLN, der Paritätische Berlin; Deutsche Aidshilfe; Fixpunkt; Hilfe für Jungs; HIV-Schwerpunktpraxen; Hydra; Robert-Koch-Institut (RKI); Sonar, Safer Sex Berlin; Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege; Schwulenberatung Berlin; St. Joseph Krankenhaus; Vaterblut; VIA, Regionalverband Berlin Brandenburg; Zentrum für Sexuelle Gesundheit mit allen Standorten; ZIK gGmbH; Mann-O-Meter. In diesem Sinne unterstützt die Netzwerkstelle die Arbeit des Netzwerks und organisiert aktiv den jährlichen Summit sowie die regelmäßigen Plena in Zusammenarbeit mit den anderen Akteur:innen.
Einige Ziele wurden in der Folge trotz Corona und fehlender Mittel erreicht, zum Beispiel:
· der Berliner Senat hat die „Arbeitgeberdeklaration“ der Deutschen Aidshilfe unterzeichnet und sich damit zu einem diskriminierungsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben bekannt.
• Menschen ohne Krankenversicherung erhalten Zugang zur medizinischen Versorgung durch die Clearingstelle und den Checkpoint BLN und damit auch zu HIV-Medikamenten.
Rückblick
Fast-Track-City Summit 2023
Der Summit 2023 des Berliner Fast-Track-Cities-Netzwerks zielt vor allem darauf ab, verschiedene Akteure miteinander zu verbinden. Dabei soll der Informationsaustausch gefördert werden, um eine gemeinsame Zusammenarbeit zu ermöglichen und eine aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen zu gewähren.
Was wird in der Stadt Berlin im Hinblick auf die Bekämpfung von HIV und der HIV-bezogener Diskriminierung gut gemacht und wo hapert es noch? Vor welchen Herausforderungen stehen wir bei der Einbeziehung aller Menschen in das Gesundheitssystem? Wie können wir noch besser mit Politik und Verwaltung zusammenarbeiten, um ein Gesundheitssystem zu schaffen, das auf die Bedürfnisse der verschiedenen Communities eingeht? Mit diesen Fragen wird sich der Summit des Berliner Netzwerks der Fast Track Cities Initiative (FTCI) befassen. Unter Beteiligung von Aktivist_innen, Expert_innen und weiterer relevanter Akteur_innen aus dem Bereich der sexuellen Gesundheit werden die Arbeit des Berliner FTC-Netzwerks und die damit verbundenen Herausforderungen, aber natürlich auch ihre Erfolge vorgestellt. Das Netzwerk bringt medizinische, soziale und weitere wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Stimmen der Communities zusammen, um die Bedürfnisse und Rechte von Menschen zu unterstützen, die von HIV, Hepatitis C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen betroffen sind.
Der Summit des Berliner Fast-Track-Cities-Netzwerks bietet einen Rahmen für die Diskussion zentraler Fragen im Bereich struktureller Prävention von HIV, Aids, Hepatitiden und anderen vorwiegend sexuell übertragbaren Infektionen. Durch die Auseinandersetzung mit relevanten politischen Akteur_innen sollen konkrete Lösungsansätze im Berliner Raum befördert werden. Dazu dient auch der Austausch mit anderen deutschsprachigen Städten, die sich der FTCI angeschlossen haben (Bochum und Wien). Darüber hinaus wird der Kongress Themen wie die Ausweitung der HIV PrEP-Nutzung (Präexpositionsprophylaxe) für weitere Nutzer_innengruppen aufgreifen. Auch der Aktivismus findet seinen Platz auf dem Programm, indem die aktive Rolle und die Grenzen der Selbstorganisation bei der Beseitigung von HIV-bedingter Diskriminierung und Stigmatisierung sowie die Herausforderungen der Präventionsarbeit hier diskutiert werden. Weitere relevante Themen im Programm umfassen Testangebote mit Erfahrungen aus dem Haftbereich, der Sexarbeit, der Notfallmedizin und mögliche Lösungsansätze für strukturelle Barrieren bei der Versorgung von nichtversicherten Menschen. Zudem werden im medizinischen Block Fortschritte und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Heilung von Long-Covid, HIV und Hepatitis C präsentiert.
Fast-Track-City Woche 2022
Die Fast Track City Woche fand 2022 vom 28.09 bis zum 08.10.2022 statt.
Die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen wurden aufgezeichnet. Mitschnitte des Streams sind zugänglich über die Webseite der Fast-Track-City Summit Berlin.
